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Passivrauch in der Gastronomie, was die Studien zeigen

Passivrauch ist kein Geruchsproblem, sondern ein Gesundheitsproblem. Das DKFZ Heidelberg beziffert die Folgen, und Beschäftigte im Gastgewerbe tragen das höchste Risiko.

7 Min. Lesezeit
3.300+
Tote pro Jahr in DE durch Passivrauch (DKFZ)
+38 %
Lungenkrebsrisiko bei Passivrauch am Arbeitsplatz
260
Lungenkrebs-Tote/Jahr durch Passivrauch (DKFZ)

Wie das DKFZ rechnet

Das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg veröffentlicht seit Jahren Zahlen zu den Folgen des Passivrauchens in Deutschland. Die jüngste Schätzung liegt bei mehr als 3.300 Todesfällen jährlich, aufgeteilt in:

  • rund 2.140 Fälle koronarer Herzkrankheit
  • rund 770 Schlaganfälle
  • rund 260 Lungenkrebsfälle
  • rund 50 Fälle chronisch obstruktiver Lungenerkrankung
  • rund 60 betroffene Säuglinge

Das DKFZ ordnet Passivrauchen damit als Gesundheitsrisiko ein, das mehr Tote verursacht als illegale Drogen und Asbest in Deutschland zusammen.

Warum Beschäftigte in der Gastronomie besonders betroffen sind

Eine internationale Auswertung kommt zu dem Ergebnis, dass das Lungenkrebsrisiko durch Passivrauch am Arbeitsplatz um etwa 38 Prozent erhöht ist. Es ist damit der mit Abstand riskanteste Expositionsort, deutlich vor dem privaten Haushalt.

Servicekräfte in Raucherkneipen verbringen ihre gesamte Schicht in dichter Tabakatmosphäre. Anders als ein Gast können sie nicht entscheiden, ob sie sich der Belastung aussetzen. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung hat die Belastung im Gastgewerbe modelliert und kommt zu einem signifikant erhöhten Risiko für Lungenkrebs und Herzerkrankungen.

Was im Tabakrauch steckt

Tabakrauch enthält über 4.000 chemische Verbindungen. Mindestens 70 davon sind als krebserregend eingestuft. Dazu gehören Benzol, Vinylchlorid, Cadmium, Chrom, Arsen, N-Nitrosamine und Polonium-210. Hinzu kommen Reizstoffe wie Blausäure, Ammoniak und Kohlenmonoxid.

Diese Stoffe verteilen sich in einem geschlossenen Raum gleichmäßig und lassen sich auch durch starke Lüftung nicht auf ein unbedenkliches Niveau senken. Die WHO-Position ist seit Jahren eindeutig: Es gibt keine sichere Untergrenze für Passivrauch.

Was passiert, wenn Räume rauchfrei werden

Nach Einführung der Schutzgesetze in Deutschland geht die Lungenkrebssterblichkeit bei Nichtrauchern messbar zurück. Auch die Krankenhauseinweisungen wegen Herzinfarkt sinken nach internationalen Studien innerhalb weniger Monate.

Anders gesagt: Der Effekt eines konsequenten Schutzes ist nicht theoretisch, er wird in den Krankenhausstatistiken sichtbar.

Was das für Bremen heißt

Solange Einraumkneipen unter 75 Quadratmetern in Bremen Raucherlokal sein dürfen, sitzen Beschäftigte und ihre Gäste an der gleichen Theke wie die Schadstoffe. Eine Verschärfung des Bremischen Nichtraucherschutzgesetzes ist in erster Linie Arbeitsschutz, nicht Lifestyle-Politik.

Quellen

  1. DKFZ Heidelberg, Passivrauchen, Pressemitteilung
  2. Pharmazeutische Zeitung, Passivrauchen, jährlich über 3.300 Tote
  3. Medical Tribune, Passivrauchen im Job provoziert Lungenkrebs (Studienergebnis +38 %)
  4. DGUV-Projektdatenbank, Passivrauchexposition im Gastgewerbe
  5. DKFZ Krebsinformationsdienst, Weniger Lungenkrebstote nach Schutzgesetzen

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Ist das ein Verbot? Nein. Rauchen bleibt erlaubt, draußen und zu Hause. Wir wollen nur, dass Beschäftigte nicht unfreiwillig mitrauchen müssen.

Stirbt die Kneipenkultur? In Bayern und NRW nicht — beide rauchfrei seit 2010 bzw. 2013, kein Kneipensterben.