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Wirtschaft

Kneipensterben durch Rauchverbot? Die Zahlen sagen Nein

Die Sorge vor wirtschaftlichem Schaden wird vor jedem Rauchverbot wiederholt. In Bayern stieg der Gastronomieumsatz nach 2010 sogar leicht an. Internationale Reviews finden keinen negativen Effekt.

7 Min. Lesezeit
+1,5 %
Umsatz Gastgewerbe Bayern, 2. HJ 2010
+5,1 %
Nominalumsatz Gastronomie Bayern, Jan–Sep 2011
−83 %
Feinstaub (PM2.5) in Dubliner Pubs nach Rauchverbot 2004

Das wiederkehrende Argument

Sobald ein Rauchverbot diskutiert wird, kommt aus den Branchenverbänden ein vertrautes Muster. Stammkunden bleiben weg, Eckkneipen schließen, ganze Stadtteile verlieren ihren Treffpunkt. Diese Sorge ist nachvollziehbar. Sie ist nur empirisch nicht haltbar.

Bayern, der größte natürliche Test in Deutschland

Bayern führte zum 1. August 2010 das strikte Rauchverbot ein. Die Daten des Bayerischen Landesamts für Statistik dokumentieren für die Folgemonate keinen Einbruch. Im 2. Halbjahr 2010 stieg der Gastgewerbeumsatz um 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Zeitraum Januar bis September 2011 wuchs der Nominalumsatz um 5,1 Prozent, preisbereinigt 3,6 Prozent.

Auch in der getränkegeprägten Gastronomie blieben die Zahlen stabil. Eine Auswertung des Statistischen Bundesamts für das 3. Quartal 2007 zeigt zwar in Ländern mit Rauchverbot zunächst einen Rückgang, aber der lag nur drei Prozentpunkte unter Ländern ohne Verbot, in einer ohnehin schwächelnden Branchenphase.

Die internationale Forschungslage

Eine systematische Übersichtsarbeit von Scollo und Kollegen aus dem Jahr 2003, veröffentlicht in Tobacco Control, prüfte 97 Studien zum wirtschaftlichen Effekt von Rauchverboten in der Gastronomie. Die Kernaussage der Autor:innen: Alle methodisch hochwertigen Studien berichten von keinem oder einem positiven Effekt auf Umsätze oder Beschäftigung. Studien mit gegenteiligem Befund waren zu 94 Prozent tabakindustrie-finanziert und nicht peer-reviewed.

Eine aktuellere systematische Meta-Analyse von 2014 (Cornelsen et al., 39 Studien) bestätigt diesen Befund. Die US-amerikanische CDC kommt in ihrer Auswertung zu demselben Ergebnis: Rauchverbote schaden dem Gastgewerbe insgesamt nicht.

Die Gegenstimmen, ehrlich eingeordnet

Es gibt Studien, die das Gegenteil behaupten. Die bayerische Studie von Prof. Zwerenz (HSW München, 2012), beauftragt vom Verband ehrenamtlicher Bayerischer Wirte, berichtet von Umsatzrückgängen um 28 Prozent und einem teilweisen Rückzug von Kneipen aus dem ländlichen Raum. Methodisch beruht die Arbeit auf einer Befragung von rund 100 Wirten und 500 Gästen, der Auftraggeber hat ein klares Interesse am Ergebnis.

In Irland berichteten Pubs nach 2004 von Umsatzrückgängen bis zu 25 Prozent in einzelnen Häusern. Die Branche als Ganzes brach jedoch nicht ein: Die Umsätze normalisierten sich ab Mitte 2005 wieder. Gleichzeitig sank die Feinstaubbelastung (PM2.5) in Dubliner Pubs nach einer Studie von Goodman et al. um 83 Prozent, die Benzolwerte um 80 Prozent. Einzelne Lokale verlieren Kundschaft, der Schutz der Beschäftigten ist eindeutig.

Was das für Bremen bedeutet

Niemand bestreitet, dass eine Umstellung kurzfristig Anpassung kostet. Wirte müssen mit ihren Gästen sprechen, Außenflächen ertüchtigen, manche Konzepte überdenken. Aber das viel beschworene Kneipensterben ist in keinem deutschen Bundesland eingetreten, das striktere Regeln eingeführt hat.

Wer sich gegen eine Verschärfung in Bremen positioniert, sollte das aus anderen Gründen tun, nicht mit einer Wirtschaftsprognose, die die Datenlage nicht hergibt.

Quellen

  1. Wikipedia, Volksentscheid „Nichtraucherschutz“ in Bayern (Umsatzdaten 2010 / 2011)
  2. Bayerisches Landesamt für Statistik, Umsätze des bayerischen Gastgewerbes (Pressearchiv 2011)
  3. Scollo, Lal, Hyland & Glantz 2003, Review of the Quality of Studies on the Economic Effects of Smoke-Free Policies (Tobacco Control, 97 Studien analysiert)
  4. Cornelsen, McCafferty & Sharpe 2014, Systematic Review und Meta-Analyse zum wirtschaftlichen Effekt von Rauchverboten (PubMed)
  5. CDC (USA), Smokefree Policies Do Not Hurt the Hospitality Industry
  6. Goodman et al. 2007, Effects of the Irish Smoking Ban on Respiratory Health of Bar Workers and Air Quality in Dublin Pubs (AJRCCM)
  7. Destatis Pressemitteilung zur Umsatzentwicklung 2007
  8. VEBWK, Bilanz 15 Jahre Rauchverbot in Bayern (Branchensicht, Auftraggeber-Bias beachten)

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Ist das ein Verbot? Nein. Rauchen bleibt erlaubt, draußen und zu Hause. Wir wollen nur, dass Beschäftigte nicht unfreiwillig mitrauchen müssen.

Stirbt die Kneipenkultur? In Bayern und NRW nicht — beide rauchfrei seit 2010 bzw. 2013, kein Kneipensterben.